Über alle Gräber wächst zuletzt das Gras,
Alle Wunden heilt die Zeit, ein Trost ist das,
Wohl der schlechteste, den man dir kann erteilen;
Armes Herz, du willst nicht, dass die Wunden heilen.
Etwas hast du noch, solang es schmerzlich brennt;
Das Verschmerzte nur ist tot und abgetrennt.
Friedrich Rückert

__________

Rasch tritt der Tod den Menschen an,
Es ist ihm keine Frist gegeben,
Es stürzt ihn mitten in der Bahn,
Es reißt ihn fort vom vollen Leben,
Bereitet oder nicht, zu gehen,
Er muß vor seinen Richter stehen!

Friedrich von Schiller

__________

Abschiedsgruß


 

Nun gilts zu scheiden von euch lieben Bildern
Worauf so lang’ mein Auge oft geruht −
Lebt wohl! Ich geh’, und wie man scheiden thut,
Lasst einen letzten Blick die Trennung mildern.

Was mich bewegt, euch brauch’ ichs nicht zu schildern

Ihr wisst, ich denke still „was ist, ist gut“,
Und so befehl’ ich euch in Gottes Hut,
Er sei mit euch geliebten alten Bildern!
Wir kennen uns! Ich darf es kühnlich sagen,

Denn Keiner hat euch so wie ich gekannt,

So lange Jahr’ im Herzen treu getragen.
Ich fühle stolz mit euch mich blutsverwandt,
Und muss ich bald auch leiblich euch verlassen,
Mein Geist wird ewig liebend euch umfassen!


 

Julius Hübner

__________

Trauer.


 

Blumen, Vögel, duftend, singend,
Seid doch nicht so ausgelassen,
Ungestüm an’s Herz mir dringend;
Laßt allein mich zieh’n die Straßen!

Vieles ist vorübergangen,
Seit wir uns zuletzt begegnet,
Und es hat von meinen Wangen
Meines Glückes Herbst geregnet.

Winter kam hereingeschlichen
In mein Herz; die Thränen starben,
Und schneeweiß sind mir verblichen
Alle grünen Hoffnungsfarben.

Blumen, Vögel, rings im Haine,
All ihr frohen Bundsgenossen,
Mahnt mich nicht, daß ich alleine
Bin vom Frühling ausgeschlossen!

Nicolaus Lenau

__________

Ich höre auf zu leben,
aber ich habe gelebt;
so leb auch du,
mein Freund, gern und mit Lust,
und scheue den Tod nicht.

Johann Wolfgang von Goethe

___

Man sieht die Blumen welken
und die Blätter fallen,
aber man sieht auch Früchte reifen
und neue Knospen keimen.
Das Leben gehört den Lebendigen an,
und wer lebt, muss auf Wechsel gefasst sein.

Johann Wolfgang von Goethe

___

Der Witwer wünscht in seiner Not,
Zur sel'gen Frau durch schnellen Tod
Geführt zu werden.
Du guter Mann, nicht so verzagt!
Das, was dir fehlt, das, was dich plagt,
Find'st du auf Erden.

Johann Wolfgang von Goethe

© 2023 von Marketing Inc. Erstellt mit Wix.com

This site was designed with the
.com
website builder. Create your website today.
Start Now